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Freitag, 8. September 2017

Cinderella

Copyright: Atrium Verlag Zürich
Autor: Michael Bijnens
Titel: Cinderella
Seitenanzahl: 480 Seiten
Verlag: Atrium Verlag Zürich
ISBN:  978-3855350216
Preis:
E-Book: 19,99€
Print: 25,00€
Link zu Amazon: Cinderella
Klappentext:

Ein Sohn, eine Mutter, eine unfassbare Geschichte: Die Mutter arbeitet in Antwerpen in einem Haus, vor dem sich zwei Straßen kreuzen: die Paradiesstraße und der Friedhofsweg. Das Haus hat einen Namen: Es heißt Cinderella. Die Mutter arbeitet dort als Prostituierte, während ihr trauriger und wütender Sohn alles daransetzt, sie aus diesem Milieu herauszuholen. Es ist ein Kampf gegen Windmühlen, denn die Mutter weigert sich beharrlich, einer anderen Arbeit nachzugehen. Schließlich setzt der Sohn alles auf eine Karte: Er kauft Cinderella, um ab sofort an der Kreuzung zwischen Paradiesstraße und Friedhofsweg die Geschicke seiner Mutter selbst in die Hand zu nehmen.


Bereitstellung des Buches: Rezensionsexemplar. Vielen Dank dafür an den Verlag. Nichtsdestotrotz beinhaltet die Rezension meine ehrliche Meinung und wird in keinster Weise vom Verlag/Autor abhängig gemacht.



Meine Meinung:

Auf dieses Buch hatte ich mich gefreut, weil es verspricht zu polarisieren. Einfach, weil es klar und direkt gleich von Anfang an sagt, was Sache ist und wie es lief und dabei habe ich oft genug beim Lesen gedacht, dass nicht alles wahr sein konnte. Doch was wahr und was Fiktion ist, das kann uns nur der Autor erzählen.

Ich bin mir sicher, dass die Leserschaft noch ziemlich geteilt werden wird, sobald das Buch gelesen wurde, ich selbst schwanke zwischen mögen und nicht mögen, tendiere im Moment jedoch zu "mögen", weil mich dieses Buch einfach nicht los gelassen hat.

Michael erzählt die Geschichte seiner Kindheit und seines Lebens, dabei spielt seine Mutter die Hauptrolle und scheint alles zu beeinflussen, auch wenn sie gar nicht da ist. Das Leben von Mutter und Sohn, die letztendlich ein Bordell eröffnen, womit Michael Einfluss auf das Leben seiner Mutter nehmen will, die keiner anderen Arbeit nachgehen möchte. Und genau dieses Leben ist geprägt von Alkohol, Drogen, Sex und den ständig wechselnden Liebschaften seiner Mutter.

Im ca. ersten Drittel des Buches erfährt man, wie Iris - Michaels Mutter - dazu kam, eine Prostituierte zu werden und was sie dazu bewogen hat, während Michael dabei seine eigene Geschichte, seine Kindheit und Jugend in groben Zügen umreißt, das aber so, dass es manchmal recht verwirrend war für mich, nachzuvollziehen, wo genau ich mich gerade in der Handlung mit dem Protagonisten befinde.
Aber letztendlich machte es nichts, denn innerhalb der ersten Seite habe ich schnell herausgefunden, ob Kindheit oder Jugend und die Geschichten, die da aufgeschrieben wurden, sind wirklich schaudrig, gleichzeitig fand ich sie unglaublich faszinierend. Und genau diese Faszination hat mich das ganze Buch über begleitet.
Es ist nicht so, dass ich Michael mag oder ihm gar Sympathie entgegen bringen könnte. Oder Iris, die in jedem den Fehler sieht, nur sich selbst als unschuldig darstellt an ihrem Unglück. Michael fand ich oft unfaire, gemein und einfach nur abgeklärt, vielleicht verloren und erkaltet durch die Umstände seiner Kindheit.
Vielleicht war genau das auch, was mich so fasziniert hat. Dass ein Charakter, den ich nicht leiden kann, dem ich gegenüber kein Funken Sympathie oder Stärke zuspreche, mich so gefangen nahm und dabei mit seiner eigenen Wahrheit konfrontierte.

Michael ist seinem jüngeren Bruder gegenüber gemein, unterdrückt ihn, behandelt ihn schlecht, obwohl sie eigentlich nur sich selbst haben, denn ihre Mutter ist stets auf der Piste, jagt von einem Mann zum anderen sozusagen, auf der Suche nach jenem Mann, der ihr alles bezahlt und der sie abgöttisch liebt, ohne, dass sie ihn lieben muss.

Hier werden interessante Theorien aufgestellt, über das Leben und die Liebe, dabei sind die Protagonisten echt gut gezeichnet und erscheinen plastisch. Sie erzählen ihre Geschichte, drängen sich ins Rampenlicht, während Michael zu einem Nebenstatisten wird, obwohl er alles erzählt, alles berichtet, alles aufzeichnet.
Seine Mutter, die ewige Prostituierte, die wie eine Schauspielerin im ewig andauernden Theaterstück des Lebens erscheint.
Oder die amerikanische Prostituierte Evangeline Borderline, die oft dazu neigt, Englisch und Deutsch zu mischen und wo ich wirklich dankbar für meine Englischkenntnisse war, sonst wäre mir sehr viel entgangen.

Alle Charaktere jagen nach etwas, sind auf der Suche, obwohl ich oft das Gefühl hatte, sie wissen gar nicht selbst, wohin sie wollen. Es werden mehr die schlechten Seite dargestellt, als die Guten, die Charaktere skizzieren sich fast selbst und lassen mich einfach nicht los, auch jetzt, wo ich das Buch zugeklappt habe.

Zum Schreibstil sei gesagt: Er ist derb, es werden Kraftausdrücke verwendet und es ist direkt. Es wird nichts beschönigt, nichts verzaubert und mit Puderzucker überstäubt. Es herrscht Gewalt, Sex und latente Gleichgültigkeit. Dieses Buch ist nichts für zarte Gemüter, aber definitiv für jene, die tiefe Einblicke haben wollen, in eine Welt, die man wahrscheinlich keinem anderen Menschen wünscht.

Auch wenn ich gestehen muss, dass gerade im letzten Buchdrittel Szenen vorkamen, die ich nicht für ganz glaubwürdig halten konnte (oder wollte?), mochte ich es dennoch sehr zu lesen, für mich war es flüssig und die derbe Sprache hat perfekt zur Atmosphäre und dem rauen Umgangston der Geschichte gepasst.

Fazit:
4 Musiknoten
für ein Buch, das mich gepackt hielt, obwohl ich nicht bereit bin alles zu glauben, doch die Wendungen, die es nahm, die haben mich sehr überrascht und mitgenommen.

Spannungsbogen:
Charaktertiefe:
Schreibstil:





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